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"Laßt uns wie Menschen leben!"

Zur Lage der Menschenrechte
in Israel/Palästina

mit Felicia Langer,
israelische Rechtsanwältin, Autorin, Friedensaktivistin und
Trägerin des alternativen Nobelpreises von 1990

Seit dem von 1000 Soldaten begleiteten provokativen Rundgang des rechtsextremen israelischen Politikers Ariel Sharon auf dem Gebiet der Al-Aqsa-Moschee am 28. September 2000 herrscht in den von Israel besetzten Gebieten Westjordanland und Gaza Krieg. Täglich flimmern Bilder von brennenden Städten, militanten Demonstranten, schwerbewaffneten Soldaten, Panzern und getöteten Menschen über die Fernsehschirme.

Wie der amerikanische Journalist Charles Glass berichtet, sind im Verlauf der Kämpfe bereits 240 Menschen getötet worden. Obwohl die Opferbilanz sehr einseitig ist – 220 der Opfer sind Palästinenser – sind in den Medien vor allem sie es, denen die Hauptschuld an den nichtendenwollenden gewaltsamen Konflikten gegeben wird. Es heißt, sie seien nicht bereit zum Gewaltverzicht, es heißt, sie seien nicht kompromißbereit, es heißt, sie würden starrsinnig die Angebote der israelischen Regierung unter General Barak in den Wind schlagen. Solche Darstellungen lassen sich nur durch die Ausblendung der tatsächlichen Verhältnisse aufrechterhalten. In der Realität sieht die Lage völlig anders aus.

Die Realität einer brutalen Besatzung

Das Westjordanland, der Gazastreifen und Ostjerusalem werden von Israel seit 1967 völkerrechtswidrig besetzt gehalten. Ungeachtet zahlloser UN-Resolutionen, in denen Israel aufgefordert wird, sich aus diesen Gebieten zurückzuziehen, hält es einen Großteil dieser Gebiete weiterhin besetzt.

Der 1993 begonnene sogenannte Friedensprozeß von Oslo stellte sich schnell als Fassade heraus, der an den grundlegenden Bedingungen nichts änderte. Statt die besetzten Territorien zurückzugeben, weitete Israel im Rahmen dieses "Friedens" ihre Siedlungen noch aus und eignete sich noch mehr von dem an, was in den besetzten Gebieten von Wert ist: das beste Land, das Wasser.

Den Palästinenser bleiben lediglich die wirtschaftlich unbrauchbarsten Gebiete, die zudem durch die zahlreichen weiterbestehenden israelischen Siedlungskomplexe und das diese miteinander verbindende Straßennetz voneinander abgeschnitten sind. Der von den USA und Israel geplante "Friedensprozeß" sieht vor, der Palästinensischen Nationalbehörde unter Arafat die Verwaltung dieser verelendeten und zersplitterten Kantone zu überlassen. Wann immer diese Behörde nicht zur Niederschlagung des unvermeidlichen Widerstandes gegen dieses Arrangement imstande ist, reagiert die israelische Besatzungsmacht zuerst mit Drohungen an Arafat und dann mit brutaler Gewalt, die von rücksichtslosem Schußwaffengebrauch bis zum Einsatz von Panzern und Raketen reicht.

Ein Frieden ist nur unter Gleichberechtigten möglich

Die israelische Verweigerung des Rechts der palästinensischen Bevölkerung auf nationale Selbstbestimmung ist heute das Haupthindernis für einen gerechten Frieden zwischen den beiden Völkern, die Anspruch auf das Gebiet des ehemaligen Palästina erheben. Ohne Gleichbehandlung der Palästinenser in Israel selbst, ohne Beendigung der Besatzung der von Israel 1967 eroberten Gebiete - des Westjordanlandes und Gazas - und ohne die Anerkennung des Rechts der im Lauf des arabisch-israelischen Konflikts vertriebenen palästinensischen Flüchtlinge auf Rückkehr oder Entschädigung wird es in dieser Region weder Frieden noch ein Ende des Blutvergießens geben. Die israelische Friedensorganisation Gush Shalom bemerkte dazu:

"Wir befinden uns mitten im palästinensischen Befreiungskrieg. Es handelt sich um einen grausamen und unnötigen Krieg, der ausgebrochen ist, weil Israel gewaltsam darauf bestanden hat, die Gebiete zu behalten, die es sich 1967 gewaltsam genommen hat, obwohl diese Besatzung die fortdauernde Unterdrückung von zwei Millionen Palästinensern bedeutet. Dieser Krieg kann nur auf eine Art beendet werden: durch den israelischen Rückzug aus den besetzten Gebieten und die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates mit Ostjerusalem als Hauptstadt"

Über die Hintergründe der heutigen Lage und die Perspektiven des Friedens:
Veranstaltung mit der israelischen Rechtsanwältin Felicia Langer

Um die Hintergründe der heutigen Lage zu beleuchten und aktuelle Fakten zu erhalten, die ein Verständnis der vor unseren Augen abrollenden Ereignisse ermöglichen, haben wir die international anerkannte Expertin, die israelische Rechtsanwältin, Friedensaktivistin und Trägerin des alternativen Nobelpreises von 1990 Felicia Langer zu einer Veranstaltung eingeladen.
 

Felicia Langer (geb. 1930 in Polen) mußte 1939 vor der deutschen Invasion in die Sowjetunion fliehen, ging 1950 nach Israel und lebt seit 1990 in Tübingen. 

Sie verteidigte mehr als zwanzig Jahre lang Palästinenser vor den israelischen Militärgerichten im Westjordanland und Gaza. Durch ihre Arbeit gewann sie Einblicke in die Lebenssituation der Menschen. Die alltägliche Unterdrückung und Verfolgung in den vom israelischen Militär besetzten Gebieten, die katastrophalen Bedingungen in den palästinensischen Flüchtlingslagern und der Rassismus, dem die Menschen ausgesetzt sind, ließen sie zur harschen Kritikerin der israelischen Besatzungsmacht werden.

Sie leistet seit vielen Jahren eine unermüdlichen Aufklärungsarbeit, überzeugt, daß nur eine breite Verbreitung von Wissen über die Situation der Menschen im betroffenen Gebiet zu Frieden und Gerechtigkeit führen können. Dabei werden sowohl die israelische Besatzungsmacht als auch die Palästinensische Autonomiebehörde von ihr schonungslos kritisiert. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt "Laßt uns wie Menschen leben!" (Lamuv 1999).

In ihrem Vortrag wird Felicia Langer anhand von konkreten Beispielen die politischen Auseinandersetzungen in der Region darstellen. Neben einem Bericht über die seit 1993 laufenden "Friedensverhandlungen" zwischen der israelischen Regierung und der PLO-Führung sowie deren konkret-praktische Auswirkungen für die Bevölkerung in den besetzten Gebieten wird die ausführliche Darstellung der aktuellen Lage und der katastrophalen Menschenrechtssituation der Palästinenser in den besetzten Gebieten Schwerpunkt der Ausführungen Felicia Langers sein.  

Mittwoch • 6. Dezember • 20 Uhr
im Saal der St. Albert Gemeinde, Bergheimerstr. 10 (Ecke Mittermaierstraße)

Veranstalter: Verein Arabischer Studierender • Friedensladen • Akas • Deutsch-Arabische Gesellschaft
Kontakt: Michael Schiffmann, T/F 06221/80031 E-Mail: mikschiff@poweronline.net