Sammlung einiger FR-Artikel von 1999 zum ständigen Bombenkrieg niederer Intensität

USA fliegen mehrere Luftangriffe in Irak

Bagdad meldet Raketen auf Wohngebiete im Raum Basra

Frankfurter Rundschau 26.01.1999

US-amerikanische Kampfflugzeuge haben am Montag in Irak erneut Stellungen der Luftverteidigung angegriffen. Vier Maschinen seien zuvor über der südlichen Flugverbotszone beschossen worden und hätten das Feuer erwidert, hieß es in Washington. Bagdad meldete, bei Raketenangriffen im Süden des Landes seien Wohngebiete im Raum Basra getroffen und mehrere Zivilisten getötet worden.

WASHINGTON / BAGDAD, 25. Januar (afp/rtr/dpa). Alle beteiligten Maschinen seien unversehrt zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt, teilte das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Washington mit. Im Norden Iraks seien ebenfalls drei Luftabwehrstellungen angegriffen worden, erklärte am Nachmittag ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. Auch hier seien US-Maschinen in der Flugverbotszone von irakischem Radar erfaßt und mit Raketen beschossen worden. Daraufhin hätten die Piloten das Feuer eröffnet.

Irak beschuldigte die USA und Großbritannien, bei Raketenangriffen im Süden des Landes hätten die in Saudi-Arabien und Kuwait gestarteten Flugzeuge mindestens zwei Wohngebäude getroffen. Das britische Außenministerium bestritt eine Beteiligung an der Aktion.

Die amtliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete, auch ein Ort in der Nähe Basras sei beschossen worden. Auf ein "dichtbewohntes" Viertel von El Dschumhurija sei eine Rakete abgefeuert worden. Getroffen worden seien außerdem Wirtschaftseinrichtungen in Abu Flus, am Flughafen Basra und in Rumala. Mehrere Menschen seien getötet und Dutzende verletzt worden. Die meisten Opfer seien Frauen und Kinder.

INA zufolge wurden zwei Angriffe im Süden geflogen, um 7.30 Uhr und um 8.10 Uhr MEZ. Es habe auch beim zweiten Angriff Tote und Verletzte gegeben. Genaue Zahlen nannte Bagdad nicht. Der US-Sender CNN meldete, elf Menschen seien getötet worden. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, von einem zweiten Angriff sei in Washington nichts bekannt.

Der neuen Konfrontation vorangegangen war am Wochenende ein politischer Konflikt Iraks mit anderen arabischen Staaten. Der Vertreter Bagdads verließ vorzeitig eine Konferenz der Arabischen Liga in Kairo, weil die anderen Teilnehmer verlangten, das irakische Regime müsse die Abrüstungsauflagen der UN erfüllen und aufhören, seine Nachbarn Kuwait und Saudi-Arabien zu bedrohen.

 

 

Irak

USA bestätigen Angriffe außerhalb der Verbotszone

Frankfurter Rundschau 21.08.1999

BAGDAD, 20. August (afp). Die USA haben in dieser Woche nach eigenen Angaben erstmals seit der Operation "Wüstenfuchs" im Dezember irakische Ziele außerhalb der Flugverbotszone bombardiert. Dies bedeute aber keine Änderung der Politik, so der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Kenneth Bacon. Kampfflugzeuge seien am Dienstag bei der Überwachung der nördlichen Flugverbotszone von feindlichem Radar erfasst worden und hätten daraufhin die irakischen Luftabwehrstellungen beschossen. Diese hätten sich 30 Kilometer südlich der Begrenzung der Flugverbotszone befunden. Bacon sprach von Notwehr.

Irak forderte UN-Generalsekretär Kofi Annan auf, die Angriffe zu verhindern. Nach irakischen Angaben starben am Dienstag 20 Zivilisten bei den Angriffen.

 

Unmut über den "stillen Krieg" gegen Irak wächst

Kritische Stimmen bei den UN und in den USA werden lauter / Kongress-Abgeordnete ignorieren Reiseverbot

Frankfurter Rundschau 31.08.1999

Der "stille Krieg", den die US-Amerikaner und Briten seit dem Abzug der UN-Waffenkontrolleure gegen Irak führen, gerät zunehmend in die Kritik.

WASHINGTON, 30. August (dpa). Bei den Vereinten Nationen in New York wie auch in Washington wird die Forderung immer lauter, die Politik gegenüber Irak neu zu bestimmen. Außer von den internationalen Sanktionen wird diese seit acht Monaten von einem Katz- und Maus-Spiel alliierter Flugzeuge und der irakischen Luftabwehr in den Flugverbotszonen bestimmt.

Kritiker bezeichnen die Strategie als Fehlschlag. Den einen geht sie nicht weit genug, weil es an einer wirkungsvollen Überwachung von Bagdads Waffenarsenalen fehle. Die anderen sehen die irakische Zivilbevölkerung als unschuldiges Opfer. In einem offenen Konflikt mit dem US-Außenministerium sind jetzt fünf Mitarbeiter des Kongresses trotz des offiziellen Reiseverbots nach Irak aufgebrochen, um sich dort ein Bild zu machen.

Die wechselseitigen militärischen Nadelstiche haben nach den massiven Luftangriffen der "Operation Wüstenfuchs" begonnen, mit der US-Amerikaner und Briten am 17. Dezember 1998 darauf reagierten, dass Bagdad die Waffenkontrolleure der Vereinten Nationen brüskiert hatte. Staatschef Saddam Hussein fordert die Alliierten in den Flugverbotszonen nördlich des 36. und südlich des 33. Breitengrades immer wieder heraus, und die Piloten der USA und Großbritanniens schießen zurück. Rund 1100 Raketen schlugen in weit mehr als 300 Zielen ein. Dabei kamen nach Angaben der Iraker zahlreiche Zivilisten ums Leben.

Die Verbündeten sahen in Saddams Taktik zunächst ein unerwartetes "Geschenk", das es ihnen erlaubte, den Diktator von Bagdad ohne große internationale Proteste einzudämmen und zu schwächen. Weil aber kein Ende abzusehen ist, werden Beamte in Washington und London unruhig. Sie halten eine unbegrenzte Fortsetzung dieses Katz- und Maus-Spiels für problematisch.

In der US-Hauptstadt wurde der Ruf nach einem härteren Vorgehen gegen Bagdad laut. Acht Kongresspolitiker mit Senatsführer Trent Lott an der Spitze forderten US-Präsident Bill Clinton auf, die Angriffsziele von Radar- und Abwehrstationen auf Militärstützpunkte und Kommandostellen auszudehnen, die irakische Opposition zu bewaffnen und Saddam ultimativ aufzufordern, sich neuen Waffenkontrollen zu fügen.

Doch dieses Verlangen findet keine ungeteilte Zustimmung. Die Regierung selbst vertritt die Auffassung, eine stärkere Unterstützung der zersplitterten Opposition sei erst dann sinnvoll, wenn diese geschlossener auftrete. Andere befürchten, dass die Kritiker der Isolierungspolitik durch eine härtere Gangart Aufwind bekämen.

Im UN-Sicherheitsrat plädieren Frankreich, Russland und China dafür, als Gegenleistung für neue Waffenkontrollen die Sanktionen zu lockern. Briten und Niederländer haben, mit dem Segen der USA, einen Resolutionsentwurf für ein neues Inspektionsregime in Irak vorgelegt. Er geht den "kritischen Drei" aber nicht weit genug, weil Sanktionen erst nach achtmonatigem Wohlverhalten Bagdads gelockert werden sollen.

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Copyright &COPY Frankfurter Rundschau 1999
Dokument erstellt am 30.08.1999 um 20.45 Uhr
Erscheinungsdatum 31.08.1999