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Hellas unterm Hakenkreuz 1941-1944
Die Verbrechen der deutschen Besatzer in Griechenland und die Frage der Entschädigung der Opfer - zwei düstere Kapitel in den deutsch-griechischen Beziehungen  

Deutsches Geschütz vor der Akropolis
Deutsches Geschütz vor der Akropolis

Vortrag und Diskussion mit Martin Seckendorf, Historiker, Berlin


Am 26. Juni wurde im Namen von 269 Klägern eines Dorfes in der Nähe von Delphi gegen vier Liegenschaften der Bundesrepublik die Zwangsvollstreckung eingeleitet. Die Bundesregierung hatte zuvor beharrlich das Urteil des Obersten Griechischen Gerichtshofes ignoriert, das den überlebenden Opfer eines der schlimmsten Nazimassaker Entschädigung in Höhe von umgerechnet 56 Millionen DM plus Zinsen zugesprochen hatte.


Deutsche Verbrechen in Griechenland

Am 10. Juni 1944 wurden 218 Einwohner Distomos von Angehörigen des 7. Regiments der 4. SS-Polizei-Panzer-Division auf entsetzliche Weise massakriert. Dies ist auch in Deutschland unstrittig. Im Ermittlungsverfahren der Münchner Staatsanwaltschaft 1, das 1972 wegen angeblicher Verjährung eingestellt wurde, wurden eine Unzahl grausamer Details aufgezählt.

General Lanz, verantwotlich für Kephalonia und viele andere Massaker
General Lanz, verantwotlich für Kephalonia und viele andere Massaker


Griechenland wurde am 6. April 1941 ohne Kriegserklärung von Deutschland heimtückisch überfallen. Diese unprovozierte Aggression war das erste Verbrechen der Deutschen gegen Griechenland, sowie die Voraussetzung und vielfach Ursache für alle weiteren, dem griechischen Volk zugefügten Leiden und aufgebürdeten Lasten. Im Verlauf der Aggression und der Besetzung wurden von den deutschen Okkupationsorganen, meist unter dem Deckmantel der Bekämpfung des Widerstandes, massenhaft und fortgesetzt schwere Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen.
 

Während des Zweiten Weltkrieges wurden 1.770 griechische Dörfer zerstört, 400.000 Häuser niedergebrannt, mehr als eine Million Menschen kamen ums Leben, darunter waren über 56.000 von Wehrmacht und SS Ermordete, mehr als 100.000 starben in deutschen Konzentrationslagern

Die Menschenverluste Griechenlands aufgrund der deutschen Aggression und Okkupation betrugen 7,2 Prozent der Vorkriegsbevölkerung. Damit steht das Land weltweit an 4. Stelle in der traurigen Statistik über die Menschenverlust im 2. Weltkrieg. Hinzu kommen gewaltige Zerstörungen und ungeheure wirtschaftliche Schäden durch einen in der Kriegsgeschichte bis dahin einmaligen Raubzug der deutschen Besatzer.

Pficht zur Wiedergutmachung

Die Bundesregierung weigert sich bis heute, die Opfer und deren Hinterbliebene zu entschädigen. Gefördert wird diese Haltung dadurch, daß in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung die Tragödie des griechischen Volkes währen der deutschen Besetzung fast unbekannt, die deutsche Herrschaft in Griechenland 1941-1944 im Geschichtsbild der Deutschen noch immer weitgehend ein "weißer Fleck" ist.

Ungesühnte deutsche Verbrechen 

Während des Zweiten Weltkrieges wurden 1.770 griechische Dörfer zerstört, 400.000 Häuser niedergebrannt, mehr als eine Million Menschen kamen ums Leben, darunter waren über 56.000 von Wehrmacht und SS Ermordete, mehr als 100.000 starben in deutschen  Konzentrationslagern
Auszüge einer Chronik aus dem in griechischer und deutscher Sprache 1999 in Athen erschienenen „Schwarzbuch der Besatzung“ (nach. junge Welt vom 1.9.2000):

2. 6.1941: 300 Bewohner von Kandanos/Chania werden exekutieren das Dorf dem Erdboden gleichgemacht 
23.10.41: Im Messovouno/Eordaias bei Kozani werden 165 Männer erschossen 1943 werden 250 und 1944 150 Frauen hingerichtet, das Dorf wird in Brand gesetzt und vollständig zerstört.
15. 3.43: Von Thessaloniki aus beginnt der Abtransport griechischer Juden nach Deutschland; er wird bis zum 10.8.44 fortgesetzt. Insgesamt werden 69 151 griechische Juden nach deutschen Konzentrationslagern abtransportiert. 
13. bis 16. 9.43: Deutsche Soldaten erschießen 451 Personen in der Provinz Viano Lassithio/Kreta. 
13.12.43: Der größte Massenmord. Deutsche Soldaten ermorden in Kalavryta 1 104 Männer ab 14 Jahren, insgesamt werden in der Region 1 460 Menschen hingerichtet. 
 5. 4.44: In Kleissoura bei Kstoria werden 270 Frauen, Kinder und alte Männer exekutiert. Die Ortschaft wird niedergebrannt.. 
23. 4.44: Massenmord in Pirgous/Eordaia: 318 Frauen und Kinder werden in Pyrgous/Eordaia (Katranitsa) bei Konzani erschossen. 
26. 6.44: In Kynouria/ Arkadia werden 212 Einwohner erschossen. Insgesamt werden 500 Einwohner getötet.. 
22. 8.44: In Rethymno/Kreta  werden 323 Personen erschossen.

Die griechische Regierung gab im Falle von Distomo dem Druck des Außenministers Fischer nach und hat die Pfändungsverfahren vorläufig gestoppt, die Anwälte des Dorfes haben nun Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die deutsche, wie die griechische Regierung eingereicht. Nach Ansicht des deutschen Experten Prof. Norman Paech ist die Weigerung, dieses Urteil anzuerkennen, vom völkerrechtlichen Standpunkt aus überhaupt nicht zu begründen.
  Noch weniger natürlich vom moralischen Standpunkt: Jahrzehntelang hatte sich die BRD bei ihrer Weigerung der Widergutmachung auf einen fehlenden Friedensvertrag berufen. Seit dem 2 + 4 Vertrag ist diese – ohnehin sehr fragwürdige Argumentation – hinfällig. Es ist nun wirklich an der Zeit, daß Deutschland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt und vollständige Wiedergutmachung für materielle und immaterielle Schäden leistet. Dies muß für die Verbrechen von SS und Wehrmacht in den besetzten Gebieten ebenso gelten, wie für die Zwangsarbeiter im damaligen "Reichsgebiet"  

Die Zahlungen müssen nicht nur an noch lebende Opfer deutscher Gewaltherrschaft, sondern auch an die Hinterbliebenen geleistet werden. Können diese nicht mehr ausfindig gemacht werden, sollten die angefallen Entschädigungssummen an die damals betroffenen Städte und Gemeinden überwiesen werden.

Mit der Veranstaltung wollen wir an die vielfältigen deutschen Verbrechen an anderen Völkern während des Faschismus erinnern und den Forderungen der Opfer und ihrer Angehörigen Nachdruck verleihen. Ein kurzer Beitrag wird auch den Kenntnisstand über Zwangsarbeiter in Heidelberg zusammenfassen, um auch in Heidelberg den Druck auf Firmen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, zu erhöhen.

Der Hauptreferent Martin Seckendorf beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit der deutschen Besatzungspolitik in Griechenland. Er ist Mitherausgeber der achtbändigen Dokumentenedition "Europa unterm Hakenkreuz" und Autor des Bandes 6 dieser Reihe (Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn). 1998 war er von der griechischen Provinzregierung von Böotien als Sachverständiger zu einer Konferenz über Entschädigungsfragen geladen. Er hat auch das Material für die Ausstellung, die am selben Abend eröffnet wird, zur Verfügung gestellt.

Veranstalter: VVN-BdA Heidelberg, Antifaschistische Initiative HD, Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg


24.11. Freitag 20.00 Uhr

Gumbelraum im Karlstorbahnhof Heidelberg
(an der B37 Richtung Neckargemünd, am Ortsende von Heidelberg)



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Infos und Kontakt:
Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg
c/o Friedensladen im Eine Welt Zentrum
Karlstor1 • 69117 Heidelberg
Tel.: 06221/978927, Fax: 978931
E-Mail: Friedensladenhd@gmx.de