Hans
von Sponeck
ehemaliger
UN-Koordinator für die humanitäre Hilfe im Irak
Über die tödlichen Auswirkungen der Sanktionen auf die Bevölkerung des Iraks
22. Februar
2001 · 20 Uhr
Theatersaal·Karlstorbahnhof
· Heidelberg
Lästiger
Augenzeuge –
UN-Dipomat
kritisiert westliche Irakpolitik
Innerhalb weniger Tage traten im Februar letztes Jahres zwei deutsche Spitzenfunktionäre der UNO von ihren Posten im Irak zurück. Nach dem Diplomaten Hans von Sponeck gab auch die Leiterin des Welternährungsprogramms (WFP), Jutta Burghardt aus Protest gegen das Embargo ihr Amt auf.
Hans von Sponeck der seit 1998 Leiter des humanitären UNO-Hilfsprogramms im Irak gewesen war, begründete seinen Schritt, damit, daß es unverantwortlich sei, das irakische Volk weiter leiden zu lassen. Von Sponecks Vorgänger, der Ire Denis Halliday, hatte aus ähnlichen Gründen nach 13 Monaten aufgegeben.
Von Sponeck hatte schon zuvor den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen, da er regelmäßig die Stellen, wo Luftangriffe gemeldet worden waren, besichtigen ließ. Stets fand er die irakischen Angaben bestätigt. Jedes Mal ließ er auch Fotos machen: von den Toten, von abgesprengten Gliedmassen, zerstörten Beduinenzelten usw.. Diese für die US-Amerikaner und Briten peinliche Dokumentationen verteilte er an die zuständigen Stellen bei UNO und NATO.
Die USA drängten zwar energisch auf seine Ablösung, konnten sich aber in diesem Fall in der UNO nicht durchsetzen.
Von Sponeck setzte sich auch energisch gegen falsche Darstellungen der USA und in den westlichen Medien ein. Zum Vorwurf der Irak würde die Mittel nicht effektiv einsetzen, stellte er gegnüber der taz fest, " dass zum Beispiel für Januar dieses Jahres 91,7 Prozent aller Waren, die im Rahmen des humanitären Programms in den Irak gekommen sind, tatsächlich an die Endnutzer - also Krankenhäuser und, im Falle der Nahrungsmittel, an die Haushalte - gegangen sind. Das ist absolut keine schlechte Zahl."
Aber mit Hilfsprogrammen kann die katastrophale Situation nicht überwunden
werden. Er hält umfassende Wirtschaftssanktionen generell für
kein taugliches Mittel und schlägt vor, wieder mehr an die Ursachen
der Krisenentwicklung zu gehen und auch die Probleme der betroffenen Länder
ernst zu nehmen. "Ich glaube, man muß die Iraker – parallel zur
Lockerung oder zum Aufheben der Sanktionen – sehr stark in Gespräche
einbinden, ihnen dadurch versuchen klar zu machen, daß der friedliche
Weg der produktivere ist. Ein Weg, der den Menschen im Irak zugute kommt
und auf diese Weise dann auch das Problem mit löst."
| .... Sein
Vater weilte im Zweiten Weltkrieg als Truppenführer in der Krimgegend,
als seine Einheit hoffnungslos verloren war. Zweimal beantragte Vater von
Sponeck bei Hitler den Rückzug, um seine Leute zu retten. Zweimal
verweigerte Hitler die Rettung seiner Soldaten. Dann handelte von Sponeck
auf eigene Faust, verhinderte so die Vernichtung der Truppe - und wurde
dafür von Hitler zum Tode verurteilt. Ein Gnadengesuch der Mutter
bewahrte ihn vor der Exekution - vorläufig. Vater von Sponeck kam
nach Germersheim ins Gefängnis. Doch zwei Tage nach dem 20. Juli 1944
wurde von Sponeck, der keine Verbindung zum Widerstand hatte, erschossen.
Auch die Mutter starb durch die Hand der Nazis. Sohn Hans von Sponeck,
1939 geboren, zog aus dem grausamen Geschehen des Krieges Konsequenzen
für sein Leben. Er gehört zu den ersten Kriegsdienstverweigerern
der Bundesrepublik. Und "irgendwo bestand in mir der Wunsch, in meinem
Leben etwas zu tun, was solche Entwicklungen in Zukunft verhindert", sagt
Hans von Sponeck.
Zu den Vereinten Nationen kam er 1968, fünf Jahre bevor die Bundesrepublik Vollmitglied der Weltorganisation wurde. Seither arbeitet er für das Entwicklungsprogramm UNDP in New York und Genf, in den Entwicklungsländern Ghana, Pakistan, Botswana und Indien, ferner auch in der Türkei. Bagdad ist sein vorerst letzter Posten. Im Alter von 60 Jahren werden UNO-Beamte im Allgemeinen pensioniert. ..... Aus (Basler Zeitung vom 08. 01. 2000) |